Qualität der Getreideernte
Aus den Untersuchungen von Getreideproben der Ernte 2009 werden nachstehend schwerpunktmäßig Werte über Qualität und Sortenverteilung aufgeführt.
Feuchtigkeitsgehalt und Schwarzbesatz werden nur anhand der Voll-druschproben ermittelt. Die Angaben sind daher, besonders auf Landesebene, nicht repräsentativ. Bei fast allen Getreidearten wurde gegenüber dem Vorjahr ein niedrigerer Feuchtigkeitsgehalt und Schwarzbesatz festgestellt.
Der Anteil des Getreides mit Auswuchs wurde anhand der Volldruschproben ermittelt. Witterungsbedingt waren auch die Auswuchsschäden bei allen Getreidearten insgesamt niedriger als im Vorjahr.
Die Qualität der Weizen und Roggenernte 2009 wurde wie alljährlich vom Max-Rubner-Institut (ehemals Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel) am Standort Detmold anhand der Probeschnitte und Volldruschproben untersucht.
Die Aussaat des Weizens fand im Herbst 2008 in fast ganz Deutschland unter nicht zu kalten, wohl aber zum Teil etwas zu trockenen Bedingungen statt, welche überwiegend eine gute Bestandsentwicklung bis zum Eintritt in die Vegetationsruhe ermöglichten. Der Winter kann im größten Teil von Deutschland als etwas zu trocken und zu kalt beschrieben werden, ohne allerdings merkliche Auswinterungsschäden zur Folge zu haben. Der Frühling war durch eine regnerische und unbeständige Witterung mit zum Teil sogar winterlichen Abschnitten gekennzeichnet, was in einigen Regionen einen verspäteten Vegetationsbeginn zur Folge hatte. Der ausgesprochen warme April führte dann aber zu einer raschen Entwicklung der Pflanzen, so dass der zum Teil beobachtete Wachstumsrückstand mehr als aufgeholt wurde. Zwar war es im April deutlich zu trocken, aber auf Grund des relativ nassen Vormonates wurde das Wachstum auf Böden mit hohem Wasser¬speicherungsvermögen durch diese Trockenheit nicht allzu stark beeinträchtigt. Es folgte ein ebenfalls sehr warmer Mai, der in den größten Teilen Deutschlands zu nass, im Norden und Westen etwas zu trocken war, der aber insgesamt eine gute Kornfüllungsphase ermöglichte. Nach einem kalten Junianfang setzte im letzten Junidrittel eine sommerliche Witterung ein, der sich eine recht wechselhafte Witterung im Juli anschloss. Im August schritt die Weizenernte in den längeren trockenen Abschnitten mit sommerlichen Temperaturen zügig voran und konnte überwiegend trocken eingebracht werden.
Im Hinblick auf die für die Backqualität wichtigen Qualitätsparameter Proteingehalt und Proteinqualität liegt die diesjährige Weizenernte auf niedrigem bis durchschnittlichem, etwa den Vorjahreswerten entsprechendem, Niveau. So lag der Proteingehalt im Bundesdurchschnitt bei 12,6 %TS (Vorjahr: 12,5 %TS) und damit deutlich unterhalb des durchschnittlichen Eiweißgehalts der letzten zehn Jahre von 13,0 %TS. Der Sedimentationswert, ein indirektes Maß für die Proteinqualität, liegt mit 44 ml entspricht im Prinzip dem langjährigen Mittelwert von 45 ml. Das zu erwartende Backvolumen im Rapid-Mix-Test liegt mit 676 ml/100g leicht unter dem Zehnjahresmittel von 680 ml/100g.
Außer den Größen Eiweißgehalt und Sedimentationswert ist für die Einschätzung der Backqualität ein Hinweis auf die Stärkebeschaffenheit bzw. auf die Fallzahl – als Maß für die Aktivität der -Amylase, bedingt durch einsetzenden Auswuchs der Körner – notwendig. Die recht wechselhafte Witterung während der Zeit der Kornreife hatte letztlich keine deutlichen Auswirkungen auf die Fallzahl. So ist davon auszugehen, dass 98 % der diesjährigen Weizenernte eine Fallzahl über dem für die Intervention (und auch im Handel meist) geforderten Mindestwert von 220 s aufweist bzw. nur 2 % diesen Mindestwert unterschreiten. Im Vergleich zu den beiden Vorjahren ist die diesjährige Weizenernte bezüglich des Kriteriums Fallzahl unproblematischer zu sehen, wenngleich dieses Kriterium auch dieses Jahr nicht ganz außer Acht gelassen werden darf.
Der Anteil von Qualitätsweizen (E- und A-Sorten) im Anbau betrug wie im Vorjahr mehr als 50 %. Der Anteil des B-Weizens liegt mit 24,7 % etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Weizen der Qualitätsgruppe E erreicht in diesem Jahr im Durchschnitt einen Eiweißgehalt von 14,4 %TS und einen Sedimentationswert von 64 ml. Der Eiweißgehalt der A-Weizen liegt im Durchschnitt bei 12,7 %TS und der Sedimentationswert bei 48 ml. Auch beim B-Weizen liegen der durchschnittliche Eiweißgehalt (12,0 %TS) und der Sedimentationswert (39 ml) auf einem der Qualitätsgruppe entsprechendem Niveau.
Der Roggen liegt qualitativ gesehen in diesem Jahr eher auf einem guten Niveau, wobei die backtechnologisch relevanten Qualitätsmerkmale zum Teil recht heterogen ausgefallen sind. Auf der Basis der früher geltenden Interventionskriterien hinsichtlich der Fallzahl ( 120 s) und des Amylogramms ( 63°C; 200 AE) eignen sich bundesweit insgesamt etwa 98 % (gewichtet nach den Erntemengen der Bundesländer) des Roggens als Brotroggen.
Im Bereich für Biochemie von Getreide und Kartoffeln des Max-Rubner-Institutes wurden Untersuchungen zum Gehalt an unerwünschten Stoffen durchgeführt. Dabei wurde der Gehalt an Mykotoxinen und Pflanzenschutzmittel bestimmt.
Zur Verbreitung der Getreidesorten in den Ländern und im Bundesgebiet im Jahr 2009 lässt sich im Rahmen der Ergebnisse der Besonderen Ernte- und Qualitätsermittlung folgendes feststellen:
Bei den Winterweizensorten (Tabelle 18) verdrängte 2009 die B-Sorte „Dekan“ (8,7 %) wieder die A-Sorte „Cubus“ (8,6 %) vom Spitzenplatz. Es folgen die E-Sorte „Akteur“ (8,6 %) sowie die Sorten „Hermann“ (6,6 %) und „Tommi“ (5,5 %). Die Sorten „Dekan“, „Cubus“ und „Akteur“ erbringen zusammen etwa ein Viertel der diesjährigen Winterweizen-Erntemenge.
Bei den Roggensorten (Tabelle 19) baute die Hybrid-Sorte „Visello“ mit 33,5 % die Spitzenposition weiter aus. Auf den weiteren Plätzen folgen die Sorten „Askari“ (13,1 %), „Recrut“ (7,1 %) und „Conduct“ (6,8 %).
Die Wintergerstensorte (Tabelle 20) mit der größten Verbreitung ist wie auch schon in den letzten Jahren die Sorte „Lomerit“ mit 19,2 %, gefolgt von der Sorte „Fridericus“ mit 15,7 %. Die Sorten „Campanile“ (7,0 %) und „Naomie“ (6,7 %) folgen auf den nächsten Plätzen.
Bei Sommergerste (Tabelle 21) baute die Sorte „Marthe“ (32,5 %) ihre Spitzenposition weiter aus. Die Sorten „Braemar“ mit 15,2 %, „Quench“ (9,0 %). und „Belana“ (5,9 %) behaupten sich im Vorderfeld.
Die am häufigsten angebauten Hafersorten (Tabelle 22) bleiben „Dominik“ mit 26,5 % und „Aragon“ mit 20,0 %, gefolgt von „Ivory“ (10,8 %) und „Neklan“ (7,6 %).
Im Durchschnitt hatten wie im vergangenen Jahr die Triticalesorten (Tabelle 23) „Talentro SW“ mit einem Anteil von 43,1 % und „Grenado“ (21,2 %) den höchsten Anteil.

